Als neugierige Schreibkraft habe ich auch eine private Seite.
Hier blogge ich regelmässig zu wichtigeren und nichtigeren Themen, die mich – und hoffentlich andere  amüsieren und interessieren.
Im Fluss
Wenn einer immer Glück hat, hat er dann noch Glück?

Das fragte sich bzw. seinen Kollegen einer der Tenniskommentatoren bei einem Spiel von Roger Federer. Das SRF-Duo bestehend aus Heinz Günthardt und Stefan Bürer übrigens, ist unschlagbar in Sachen Humor, Schlagfertigkeit und Selbstironie. Dass sie Profis sind und kompetent, davon gehe ich aus, aber das Drumherum, die kleinen Geschichten – in solchen Dingen sind sie umwerfend und übertrumpfen sich immer wieder in absurden Gags.

Aber eben, einer von ihnen – ich kann die Stimmen nicht auseinanderhalten – fragte sich dann obigen Satz. Vielleicht hatte der andere gerade eben gemeint, Federer habe Glück gehabt.

Die Frage ist wirklich interessant, denn was ist Glück? Landläufig ist das ein Höhepunkt, der aus einem gleichförmigen Status quo herausragt. Glück ist das, was wir alle möchten und es hat sogar Eingang gefunden in das Gründungsdokument der Vereinigten Staaten, als Pursuit of Happiness.

In der Philosophie der Antike war Glück der Gedanke des geglückten Lebens, der vernünftigen, massvollen Lebensführung. Also eher kein Höhepunkt, sondern ein ruhig dahinfliessender Fluss. Vor allem die Stoiker rieten, sich mit dem zufrieden zu geben, was man hat und sich nicht über Dinge zu ärgern, die man nicht beeinflussen könne, diese Einsicht ergebe dann ein glückliches Leben.

Bei den moderneren Philosophen wurde die Glücksidee auf die Allgemeinheit ausgeweitet, wobei Kant mit seinem kategorischen Imperativ herausstrich, dass „die Glückseligkeit des einen Menschen nicht der Glückseligkeit des anderen entsprechen muss“. Der grantige Schopenhauer hingegen hielt das Glücksstreben der Menschen für ihren angeborenen Irrtum.

Unser Zeitgenosse Wilhelm Schmid betont, dass Schmerzen und Unglücklichsein ganz vermeiden zu wollen, einen um die Kontrasterfahrung bringe, die die Lust erst fühlbar mache.
Also eben doch Glück als Höhepunkt und nicht wie Kant formulierte „Glückseligkeit ist zudem kein kurzfristiges Glücksempfinden, sondern ein Projekt, das langfristig das ganze Leben lang wirkt“.

Zurück zur Frage, ob einer noch Glück habe, wenn er immer Glück hat? Kommt darauf an, welcher philosophischen Schule man anhängt. Ich würde sagen eher nein. Also eher Schmid als Kant. Und pursuit of happiness heisst ja noch nicht, dass man diese Happiness auch in die Finger kriegt. Und dann ist da noch der Volksmund, der meint, das Glück finde einen, wenn man es nicht suche… schön und gut, aber der Volksmund plappert sehr oft ziemlichen Stuss daher, verkleidet als „Weisheit aus dem Bauch“, ugggh.
Glück – findet man, wenn man offene Augen und Sinne hat. Als kleiner oder grosser Höhepunkt im dahinfliessenden Leben.