Als neugierige Schreibkraft habe ich auch eine private Seite.
Hier poste ich regelmässig wechselnde Tipps, Links, Rezensionen, Hinweise über alles, was meinen Horizont und hoffentlich nicht nur meinen erweitert.
Nachhallend
Damals in Alexandria
Gegenwärtig läuft im Kino die Verfilmung von André Acimans Buch „Ruf mich bei deinem Namen“.
Grund genug, das Interesse auf die Bücher dieses ganz besonderen Autors zu lenken, namentlich auf mein absolutes Lieblingsbuch von ihm: „Damals in Alexandria“.


Im Wesentlichen erinnert sich Aciman darin an seine Kindheit in Alexandria im Umfeld seiner grossen Familie. Sein Alexandria von der Jahrhundertwende bis zu Nassers Machtübernahme ist ein faszinierendes Milieu mit einer kosmopolitischen Kultur. Und seine jüdische Grossfamilie ein disparater Haufen, der aus allen Ecken der Welt stammt. Lebenslustig sind sie alle: sie zanken, flirten, befehden und versöhnen sich, bis sie vom Wind der politischen Ereignisse zerzaust und schliesslich zerstreut werden.
Das Buch beginnt so: „Also, sind wir oder sind wir nicht, siamo o non siamo?" prahlte mein Grossonkel Vili, als wir beide uns an jenem sommerlichen Spätnachmittag im Garten seines ausgedehnten Besitzes in Surrey schliesslich hinsetzten.“
Da ist Alexandria schon nur noch eine ferne Erinnerung. Onkel Vili ist eine der ganz schillernden Figuren des Buches, aber auch die anderen stehen ihm in nichts nach.
Ich habe viele Bücher von Aciman gelesen, aber dieses ist mein absoluter Favorit. Es ist schmerzlich schön und öffnet ein Fenster auf eine so aufregende wie aufwühlende Zeit, die für immer untergegangen ist.



André Aciman
Damals in Alexandria
Hanser 1996